Interview mit dem Zentrum

Lese die Zeit. Interview mit Zentrum für politische Schönheit. Phillip Ruch. Der Befragte redet um die Fragen herum, erfindet sich in Philosophie und immer wieder in dem Beharren auf eine Schwarz-gegen-weiß-Sicht, die man in der Betrachtung des Nationalsozialismus sicherlich anwenden muss. Aber wer jede kritische Verständnisfrage mit einem Verweis auf die Nazis und ihre Verbrechen beantwortet, hat sich als Diskussionspartner eh diskreditiert. Grundsätzlich bejaht er ja auf krude Weise jede Frage. Ja. Für das Zentrum gibt es keinen rechts kein links keine moralischen Grauzonen und ja. Das Zentrum entscheidet wer gut ist, und wer böse. Für mich stellt sich da eine Abwehrhaltung her. Mir ist dieses moralisch überlegen sein unsympathisch. Mir ist auch das moralische überlegen sein eines Böhmermann unsympathisch. Ich mag es nicht, wenn für mich entschieden wird, wie ich die Welt zu sehen habe. Vielleicht ist es aber so, dass in demokratischen Gesellschaften genau dass ein möglicher beziehungsweise nötiger Ansatz von Kunst ist, wenn sie politisch sein will. Man muss als Künstler wohl immer Gegensätze erzeugen, an denen man sich dann ab arbeiten kann. In einer Diktatur ist es nicht so, die versteht sich ja als Gegensatz, oder aus einem Gegensatz geboren. Da ergeben sich die Grenzen von selbst.

https://www.zeit.de/2019/16/philipp-ruch-zentrum-fuer-politische-schoenheit-kuenstlergruppe

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Schweigen

Während ich ein Protokoll der Produktion von Robert Wilson, Tankred Dorst, über deren Parsifal Projekt, lese, kommt mir eine Erkenntnis: man muss vielleicht, wenn man Theater, Kunst, Literatur machen will: die Wirklichkeit als die unmöglichsten der Wahrscheinlichkeiten spürbar machen. Das ist natürlich eine Fortsetzung der Gedanken von Bertolt Brecht. Die Wirklichkeit herausnehmen, und sie untersuchen, Stück für Stück davon ab lösen, und eine Haltung dazu einnehmen. Man wird vielleicht in Haft genommen, wenn man über die Wirklichkeit spricht. Das ist wie Kaspar mit den magischen Kugeln. Die treffen am Ende das, was einem am Herzen liegt.
Worum geht es, wenn wir Geschichten erzählen? Nicht gelesen zu werden? Nicht in Betrieb zu sein? Pausen zu setzen, den man nicht eindringen kann. Tristan. Die Pausen zwischen den Akkorden sind das warten auf die Erlösung. Lösung das ist nicht Liebe. Das ist ein Ort, wo Liebe nicht mehr notwendig ist.

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Story Telling

Sehe
https://en.wikipedia.org/wiki/Life_(2017_film): aus einer Zelle, die vom Mars auf eine Raumstation transportiert wird, wird ein Monster, dass die Crew vernichtet.

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was spannend ist: wie sehr der Film fesselt, obwohl keine der Ideen neu ist. Weder die des Monsters aus dem All, noch der Versuch, es von der Erde fern zu halten. Selbst ein wenig Kritik an menschlichem Verhalten ist möglich: das Wesen entwickelt sich zum Monster, nachdem es mit Elektroschocks traktiert wurde.

Auffällig, wie planmäßig der Film gebaut ist: Symmetrien überall, das Kinderbuch, das am Anfang einem frischgebackenem Vater gegeben wird, das am Ende den beiden letzten Überlebenden als moralische Stütze dient.  Der Meteorenschauer, ein zufälliges Zusammentreffen mit einem Hindernis, das zu Beginn die Kapsel mit der Zelle fast ins Nichts verschwinden lässt, das Zusammentreffen mit den Bruchstücken der zerbrechenden Raumstation, das am Ende dazu führt, dass das Wesen doch auf der Erde landet.

Die Phantasie der Menschen spielt mit Szenarien ihres selbstverschuldeten Untergangs. Mit einer Hartnäckigkeit, wie man sie sonst bei Borderline-Betroffenen sieht, wenn es darum geht, sich selber zu verletzen. Das ist Katharsis umgedreht. Wir härten uns ab, und lassen eine Energie raus, die uns sonst zum Überdenken unserer Handlungen drängen würde. Kann man also sagen: ein solcher Film  ist ein Ventil, das dem uns beherrschenden und unseren Planeten zugrunderichtenden System in die Hände spielt?

Rosa 1

„Der unzerbrechliche Kern Ihrer Überzeugung war, dass der Kapitalismus die Lebensgrundlagen der Menschheit zerstört, sie der Barbarei zuführt, dass es nur einen Ausweg gibt, den Sozialismus als andere Gesellschaftsordnung, und dass der Sturz der alten Ordnung und der Aufbau der neuen das Werk der aufgeklärten Massen sein müsse.

Uwe-Jens Heuer: Rosa Luxemburgs Demokratieverständnis und unsere Epoche“

Aus: Klaus Zinner/ Helmut Seidel (Hrsg.): Rosa Luxemburg

Dietz 2002

In diesem Satz, der sich auf eine Geschichte von mehr als 100 Jahren bezieht, stehen gleich eine Mehrzahl von Fragen an unsere Zeit. Annelies Laschitza sagt in ihrer Biografie über Rosa Luxemburg, dass diese die „Massen“ falsch eingeschätzt habe. Wenn man aber mal den „Massen“ (welche sind das?) eine solche Macht und Verantwortung zusprechen würde: warum sonst sollten auch heute so viele Unternehmungen geschehen, die „Massen“ mit Nichtigkeiten zu beschäftigen und künstlich erzürnt und aufgeregt zu halten, damit diese nicht zum nachdenken kommen. Was aber muss geschehen, um die „Massen“ in einen Zustand der Aufmerksamkeit zu versetzen, der der Aufklärung vorausgeht?

Free-Style 1

Ich leuchte dann mal 
ein bisschen nur 

ein Luxus-mäßiges bisschen 

nur so weit, dass es für meine guten Freunde reicht 

mehr kann ich mir momentan auch nicht leisten, bei den Strompreisen. 

Man muss sich auf das wesentliche konzentrieren 

da geht es nicht ums Protzen und Brillieren 

aber worum geht es dann eigentlich 

was ist das dieser kleine nervige 

Kitzel in den Herzkranzgefäßen 

der mir sagt du musst ganz sicher 

leuchten heißt das, ja genau ein wenig 

Licht ins Dunkel bringen 

Mann, kann ich manchmal kitschig blumig klingen 

warum setze ich mich nicht einfach auf das Sofa 

und ziehe mir ein bisschen Netflix rein. 

Dieser nervig leise Kitzel du:

musst etwas zu bedeuten haben

als hätte man nicht das Recht 

einfach da zu sein 

und nichts, was man auf seinen Grabstein schreibt als 

der war einmal. 

Meine Freunde liegen mir sehr am Herzen,

soviel ist sicher,

und nicht nur, weil die die einzigen sind, 

die das sehen, wenn ich am lächeln und leuchten bin 

wenn ich etwas bedeuten will. 

Die sehen das und sagen dann:

Mensch mach mal langsam 

Da ist ja nur so viel, was einer allein ertragen kann,

da sind ja auch noch einhunderttausend andere, 

die gegen einen anleuchten. 

Wir strahlen alle um die Wette 

als ob da eine Kamera ist, mit der einer auf uns zuhält  

Und wir wollen ein Loch in eine Kino Leinwand brennen, 

Aber wir werden ja sowieso aus dem Film rausgeschnitten  – 

das macht schon ganz schön müde 

etwas zu bedeuten zu haben 

Zu wollen, dass es so sei, 

und wenn man dann abends auf der Couch sitzt 

dann hat man auch nicht mehr die Kraft für mehr 

als sich ein bisschen Netflix reinzuziehen. 

Ich schlafe dabei auch immer ein 

und träume mild mir dann dazu 

dass meine Freunde sagen, Wahnsinn, du 

bist schon so richtig was Besonderes.