Rosa 1

„Der unzerbrechliche Kern Ihrer Überzeugung war, dass der Kapitalismus die Lebensgrundlagen der Menschheit zerstört, sie der Barbarei zuführt, dass es nur einen Ausweg gibt, den Sozialismus als andere Gesellschaftsordnung, und dass der Sturz der alten Ordnung und der Aufbau der neuen das Werk der aufgeklärten Massen sein müsse.

Uwe-Jens Heuer: Rosa Luxemburgs Demokratieverständnis und unsere Epoche“

Aus: Klaus Zinner/ Helmut Seidel (Hrsg.): Rosa Luxemburg

Dietz 2002

In diesem Satz, der sich auf eine Geschichte von mehr als 100 Jahren bezieht, stehen gleich eine Mehrzahl von Fragen an unsere Zeit. Annelies Laschitza sagt in ihrer Biografie über Rosa Luxemburg, dass diese die „Massen“ falsch eingeschätzt habe. Wenn man aber mal den „Massen“ (welche sind das?) eine solche Macht und Verantwortung zusprechen würde: warum sonst sollten auch heute so viele Unternehmungen geschehen, die „Massen“ mit Nichtigkeiten zu beschäftigen und künstlich erzürnt und aufgeregt zu halten, damit diese nicht zum nachdenken kommen. Was aber muss geschehen, um die „Massen“ in einen Zustand der Aufmerksamkeit zu versetzen, der der Aufklärung vorausgeht?

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Free-Style 1

Ich leuchte dann mal 
ein bisschen nur 

ein Luxus-mäßiges bisschen 

nur so weit, dass es für meine guten Freunde reicht 

mehr kann ich mir momentan auch nicht leisten, bei den Strompreisen. 

Man muss sich auf das wesentliche konzentrieren 

da geht es nicht ums Protzen und Brillieren 

aber worum geht es dann eigentlich 

was ist das dieser kleine nervige 

Kitzel in den Herzkranzgefäßen 

der mir sagt du musst ganz sicher 

leuchten heißt das, ja genau ein wenig 

Licht ins Dunkel bringen 

Mann, kann ich manchmal kitschig blumig klingen 

warum setze ich mich nicht einfach auf das Sofa 

und ziehe mir ein bisschen Netflix rein. 

Dieser nervig leise Kitzel du:

musst etwas zu bedeuten haben

als hätte man nicht das Recht 

einfach da zu sein 

und nichts, was man auf seinen Grabstein schreibt als 

der war einmal. 

Meine Freunde liegen mir sehr am Herzen,

soviel ist sicher,

und nicht nur, weil die die einzigen sind, 

die das sehen, wenn ich am lächeln und leuchten bin 

wenn ich etwas bedeuten will. 

Die sehen das und sagen dann:

Mensch mach mal langsam 

Da ist ja nur so viel, was einer allein ertragen kann,

da sind ja auch noch einhunderttausend andere, 

die gegen einen anleuchten. 

Wir strahlen alle um die Wette 

als ob da eine Kamera ist, mit der einer auf uns zuhält  

Und wir wollen ein Loch in eine Kino Leinwand brennen, 

Aber wir werden ja sowieso aus dem Film rausgeschnitten  – 

das macht schon ganz schön müde 

etwas zu bedeuten zu haben 

Zu wollen, dass es so sei, 

und wenn man dann abends auf der Couch sitzt 

dann hat man auch nicht mehr die Kraft für mehr 

als sich ein bisschen Netflix reinzuziehen. 

Ich schlafe dabei auch immer ein 

und träume mild mir dann dazu 

dass meine Freunde sagen, Wahnsinn, du 

bist schon so richtig was Besonderes. 

In Vienna 

Last night FIDELIO Theater an der Wien: what do we learn from an interpretation like Achim Freyer’s: that we should never stop to ask questions, that we should always be open to surprising new answers. Especially, when we think we know the piece already….. 

FRIEDELINDS WAHNFRIED

Jetzt ist es schon 2 Wochen her, unser Bayreuth-Abenteuer mit Friedelinds Wahnfried. Mein lieber Freund und bewunderter Komponist Mario Stork hat auf seinem Blog ausführlich zu dem negativen Presse-Echo geschrieben.

http://www.mariostork.de/data/blog.html

Dazu ist im Grunde nichts hinzuzufügen, ausser, dass ich es schade finde, dass sich einmal mehr ein Satz des Dramatikers Rolf Hochhuth bewahrheitet, nach dem Neid die deutsche Form der Anerkennung sei. Dies bewahrheitet sich eben auch in Bayreuth und für ein kleines Besuchergrüppchen, dessen in der Pause lautstark geäußerte Meinung – aus welchem Grund auch immer – dem Schreiber einer Besprechung zu unserem Stück und Reading so zitierenswert erschien, dass er sie eins zu eins zur Substanz seines Artikels machte. Das es hier um Leute handelt, die in Bayreuth gerne etwas zu sagen hätten und die sich vor allem an ihrem Nicht-Gelingen abarbeiten, macht die Situation nicht wirklich einfacher.

Was zu tun bleibt, tun wir: verfolgen die Idee unseres Friedelind-Wagner-Musiktheaters weiter. Ermutigt durch den Gegenwind, der uns bedeutet, wir sind auf dem richtigen Weg.

Was mir weiterhin bleibt: DANKE zu sagen: an alle Künstler und Freunde, die an dieses Projekt glauben und teilhaben. An Dr. Sven Friedrich für das Vertrauen und die Gastfreundschaft. An die Videokünstler von BS-Films für die Dokumentation, deren Fertigstellung ich freudig entgegensehe.

Auf Wiedersehen auf bald in Bayreuth