reisen

wir sprechen miteinander
wir sprechen aufeinander ein
ein wort wird zu einem anderen wort
und manchmal ist da die angst
dass das nicht schnell genug geht
dass wir dann plötzlich schweigen
unsere worte schweben durch den raum
sie ziehen kreise umeinander
ein kuss
vielleicht
wenn wir schweigen
dann sind wir in einem luftleeren
wir beide
dann fallen wir in einen finsteren abgrund
ein ort, der unendlich schrecklich ist
du hast von einem engel gesprochen
von wünschen hast du gesprochen
schreiende kinder
und fallende bomben
das müssen sich die engel immer wieder anschauen
ein lächeln
manchmal
blutverschmiert
in all der verzweiflung

aus: Schattner: ICH BIN DER WELT ABHANDEN GEKOMMEN

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>WIE KANN MAN DAS ZUM LEBEN BRINGEN

>ER: du hattest doch sterne in deinen augen. sie fielen zur erde. blinde schneeflocken. die kreiseln um unser treffen. das mein schreien war. bevor ihm die worte ausgingen
SIE: hattest du mir nicht gesagt, du würdest mich mitnehmen auf einen hohen berg. und mir alle herrlichkeit der welt zeigen. da stand ich nun. auf dem dach der welt. der wind spielte auf meinen armen. ich drehte mich um. denn du hattest ja versprochen, bei mir zu sein. aber du warst einfach nicht da. nur worte waren da. deine worte saugten mir das blut aus.
TRÄUME/ Bayreuth/ 2005