Anna und das Kinderkrankenhaus von Rothenburgsort

Musical von Dirk Schattner (Buch und Texte) und Mario Stork (Musik)

Reading/ Präsentation: 16.11.2017 in der Thomaskirche, Rothenburgsort
Uraufführung: Sommer 2018

Das Musical basiert auf wahren Begebenheiten, Personen und konkrete Handlung sind aber Fiktion. Es geht um den Mord an Kindern im Krankenhaus Rothenburgsort im Rahmen der Tätigkeit des “Reichsausschusses zur wissenschaftlichen Erfassung erb- und anlagebedingter schwerer Leiden” unter der Herrschaft der Nationalsozialisten. Mit unserem Musiktheater erzählen wir von Möglichkeiten, wir zeigen Phantasien von Geschichten von denen, die man getötet hat, denen man ihre Geschichten gestohlen hat, wir spüren Geschehnissen nach aus dem Reich zwischen “das war nicht” und “da hätte können sein”.

Zentrum der Geschichte ein Bunker in Rothenburgsort, wo die Kinder aus dem Kinderkrankenhaus während der Bombennacht 27./28.7.1943 untergebracht sind. Stationsschwester Eva wird von der sieben Jahre alten Anna dabei unterstützt, die Kinder zu beruhigen. Anna ist nicht wirklich krank, sie hing gleichsam im Krankenhaus fest, bis die Zuständigkeiten in ihrem Adoptionsprozess geklärt sein sollten. Die Mutter hat sie zur Adoption freigegeben, ihre Pflegeeltern wollen sie nicht zurück.
Die Kinder sind unruhig – immer wieder sterben einige von ihnen. Eva erzählt den Kindern ein Märchen von einem kleinen Mädchen, dass durch die Macht seiner Phantasie sein Bett in ein Boot verwandelt. In der Phantasie Annas wird dieser Traum Realität und im Spiegel des Flusses, der das Boot trägt, sieht sie ihr Leben, wie es sein könnte.
Eva wird durch die Gedanken an Gespräche gequält, die sie zwischen Klinikleiter Bayer und Elternpaaren belauscht hat. Denen wurden für behinderte Kinder immer wieder spezielle und noch wenig erprobte Behandlung vorgeschlagen und die Kinder sind dann auf rätselhafte Weise gestorben.

An dieser Stelle und ausgehend von den Szenen im Bunker beginnen mehrere Zeitreisen durch Biografien nach 1944. Frieda, Annas Mutter, versucht nach 1955 ihre Tochter wieder zu finden, Andreas, der Sohn von Herma und Siegfried erfährt etwas später von seiner Schwester Marie und ihrem Tod. Beide Kinder sollen im Kinderkrankenhaus gestorben sein.
Andreas wird, inspiriert durch eine Mitstudentin Anna, zum Teil einer Studentengruppe, die die Amtsenthebung von Bayer fordert. Die beiden verlieben sich ineinander und Anna hilft Andreas dabei, das zerrüttete Verhältnis zu seinen Eltern, denen er den Tod seiner Schwester vorwirft, zu verbessern. Sie selbst findet in den Geschichten um die Kindermorde für sich ein Thema, für das sie sich leidenschaftlich einsetzt.  

Anna, das kleine Mädchen, ist im Bunker und beim Blick in ihren Phantasie-Wasserspiegel doch immer dabei. Sie träumt sich an Annas Stelle, vermischt vor allem im Finale des ersten Aktes persönliche Todesangst mit den Zerstörungsbildern des Bombenkriegs, setzt Evas Märchen immer weiter fort.

Anlässlich vorn Vorträgen und Aktionen zum Thema Euthanasie begegnen sich Anna und Frieda zum ersten Mal. Eva sucht fast zeitgleich das Gespräch mit Frieda und versucht Abbitte zu leisten für die Taten, die sie in Rothenburgsort zugelassen hat. Nur ein Kind mit Namen Anna habe sie aber gerettet. Bei Frieda (und dem Zuschauer) setzt sich der Gedanke fest: Anna könnte die verlorene Tochter sein.

Bei einem Vortrag Annas stürmt Frieda deswegen das Podium und schreit ihr schlechtes Gewissen in die Welt hinaus. Das Theater hält an. Die Darsteller der erfundenen Geschichte gedenken des realen Hintergrunds, auf dem diese basiert.

Im Vortragssaal treffen alle Protagonisten aufeinander. Anna muss Frieda die trügerische Hoffnung auf das Happy End nehmen, das sie sich in ihr erträumt. Sie ist nicht die verlorene Tochter. Das Leben schreibt keine solchen Happy Ends. Was bleibt ist die Hoffnung auf eine Welt, in der die Menschen so miteinander umgehen, dass so etwas wie ein Happy End nicht  mehr nötig ist.

 

Das Projekt wird gefördert aus Quartiersfondmitteln der Bezirksversammlung Hamburg-Mitte durch den Verfügungsfonds des Stadtteilrates Rothenburgsort.

 

 

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